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Da ich selber so wenig Ahnung von einer Geburt habe - aus meiner Sicht sah ja alles etwas anders aus ;-) - hat hier meine Mama aufgeschrieben, wie es für sie war:
Am
09.03.01 bin ich morgens so ca. um 3:30 Uhr aufgewacht – wovon, dass weiß ich
allerdings nicht so genau. Auf jeden Fall musste ich aufs Klo, war aber noch
total im Tran und bin bis ca. 3:45 Uhr dösend liegen geblieben. Danach konnte
ich mich endlich aufraffen und das Örtchen aufsuchen.
Anschließend
krabbelte ich wieder ins warme Bettchen (ein riesen Vorteil der Wasserbetten *ggg*)
und döste wieder etwas ein, aber kurz nach 4 Uhr bemerkte ich denn doch Rückenschmerzen.
Na toll, super! Ich döste wieder weiter – da: Schon wieder diese Rückenschmerzen
– gerade mal 10 Minuten später und kurz darauf waren sie auch wieder weg!
Mit
einem Schlag war ich hellwach, kramte mein Buch hervor und begann zu lesen –
und wirklich: Pünktlich weitere 10 Minuten später wieder Rückenschmerzen!
Also wirklich Wehen! Juchhuuu, es geht wirklich los! Trotzdem habe ich erst
einmal weiterlesen und Michael noch schlafen lassen – noch war es ja gar nicht
wild.
Trotzdem
wurde Michael um kurz vor 5 Uhr wach und wundert sich, warum ich lesend im Bett
liege – um diese Uhrzeit! Ich meinte nur, dass es wohl so langsam aber sicher
losgeht. Da war auch Michael mit einem Schlag hellwach und fragte, warum ich ihn
denn nicht geweckt hätte! Bei so ein bisschen Rückenaua? Ne, sollte er doch
noch schlafen, aber daran war nicht mehr zu denken.
Er
hat sich angezogen und ist an seinen Schreibtisch gegangen – was tut ein Mann,
dessen Frau vor sich hin weht? Er lernt! ;-) Ich konnte allerdings auch nicht
mehr liegen bleiben – ich hatte einfach Hummeln im Hintern. Also ab an den
Computer und mal im Babyzimmer vorbeigesurft und das Neueste berichtet.
Gegen
7 Uhr haben wir dann bei Iris, meiner Hebamme angerufen. Nachdem die Wehen ja
noch nicht so schlimm waren haben wir uns für 9 Uhr im Geburtshaus verabredet
um mal zu schauen, wie es aussieht. Das CTG war in Ordnung, es zeigte allerdings
keine Wehe auf, obwohl sie auch definitiv währenddessen da waren. Das könnte
auch sein meinte Iris dazu, wenn sie allerdings zu spüren sind, würde sie mir
auch glauben, nicht so wie Ärzte im Krankenhaus, die nur der Technik vertrauen.
Bei
der vaginalen Untersuchung kam eine Muttermundöffnung von 3 cm heraus. Die
Geburt war also definitiv im Gange! Allerdings würde es noch dauern. Iris
schlug uns vor, noch einmal nach Hause zu fahren, spazieren zu gehen, zu Mittag
zu essen und so gegen 14 Uhr wiederzukommen. Natürlich könnten wir jederzeit
eher oder später kommen – eben so wie wir meinen würden. Sie wäre jederzeit
für uns telefonisch erreichbar. Wir stimmten zu und drehten erst einmal eine
große Runde im Rombergpark. Die Sonne schien auch richtig schön – es war
herrlich. Zumal uns viele Eltern mit Kindern begegneten. Wir grinsten dann auch
jedes Mal von einer Backe zur anderen– der nächste Spaziergang hier würde
auch mit einem Kinderwagen sein! Während der Wehen musste ich allerdings schon
stehen bleiben und bewusst atmen, es war aber immer noch nicht wild.
Zum
Kochen hatten wir dann beide keine Lust mehr – also gab es Pommes mit
Curryfleischwurst – hmmm, lecker! Die Zeit verging recht schnell, zumal ich
dann im Internet im Babyzimmer noch einen Zwischenbericht ablieferte. Meine
Wehen wurden auch immer stärker. Mittlerweile mochte ich nicht mehr sitzen,
wenn eine Wehe kam. Ich habe mich dann immer an die Trennwand zum Babyzimmer
gehangen, die ist nämlich nur 1,5 m hoch und für solche Aktionen bestens
geeignet. Allerdings reichte immer noch bewusstes mittlerweile stärkeres
Durchatmen aus.
Gegen
13:30 Uhr war ich auch der Meinung, dass es jetzt wieder Zeit wäre ins
Geburtshaus zu fahren – Iris hatte die Zeit richtig abgeschätzt. Während der
Autofahrt waren die Wehen nicht so schön, zumal ich dann ja nicht jedes Mal
aufstehen konnte. Sie kamen so im Abstand von ca. 5 - 7 Minuten.
Iris
untersuchte mich noch einmal – der Befund war trotz der stärkeren Wehen
niederschmetternd: Immer noch 3 cm Muttermundöffnung. Der Muttermund hatte sich
verkrampft. Iris gab mir ein homöophatisches Mittel zur Entkrampfung und ich
bin in zur zusätzlichen Entspannung in die Badewanne gegangen. Dort waren die
Wehen nicht mehr ganz so regelmäßig, dafür auch die Beschwerden dabei
unregelmäßig. Teilweise überfielen mich die Wehen so stark, dass ich mich
unbedingt sofort hinknien musste, ansonsten konnte ich sie gut wegstecken.
Zwischendurch
erkundigte sich Iris, ob sie wohl noch zu einer Nachsorge könne, sie wäre ca.
2 Stunden weg, aber per Handy immer erreichbar und könne dann auch in ca. 20
Minuten wieder da sein. Spätestens gegen 17:30 Uhr wäre sie auf jeden Fall
wieder da. Da wir sehr gut zurecht kamen und uns auch gut aufgehoben fühlten
hatten wir damit keinerlei Problem.
Irgendwann
bin ich dann wieder aus der gemütlichen Badewanne raus und wir sind ein
bisschen im Garten spazieren gegangen. Ich merkte aber, wie die Wehen jetzt
immer stärker wurden und so richtig laufen wollte ich dann doch nicht mehr,
zumal dann auch noch Regen einsetzte.
Wir
gingen wieder rein und setzten uns auf die Couch. Jetzt wurde mir doch etwas
kalt und ich kuschelte mich in die Decke. Zwischendurch haben wir dann unsere
Runden durchs Geburtshaus gedreht. Die Wehen steigerten sich jetzt ständig.
Kurz vor 17 Uhr waren sie so stark, dass ich dabei immer stehen wollte und
Michael sich als Bock hinstellte, so dass ich mich auf seinen Rücken abstützen
konnte und die Wehen dann mit einem „A“ veratmetet – so wie ich es im
Geburtsvorbereitungskurs und vor allem beim Yoga gelernt hatte. Da Iris sowieso
jeden Moment wiederkommen wollte haben wir auch nicht mehr angerufen. Ab hier würde
ich sagen, dass ich richtig in den Wehen „lag“, wie es immer so schön heißt.
Alles davor war nur Übung...
Gegen
17:15 Uhr kam sie dann auch zurück. Sie fand es ganz toll, wie wir die Wehen
angegangen sind. Die nächste Untersuchung ergab eine Öffnung von 5 cm – es
ging weiter! Wir blieben im Entbindungszimmer. Iris gab mir allerdings Tee mit
Traubenzucker zu trinken da ich immer noch so fror und mir auch ab und an
schwindlig war. Einige Wehen später hatte mein Frieren allerdings ein Ende und
ich zog das Sweatshirt aus und das T-Shirt an. Michael wurde immer noch bei den
Wehen als Stützbock missbraucht, bis ich kurz darauf die Wickelkommode
entdeckte, die von der Höhe her auch ganz gut hin kam.
Meine
Wehen wurden rasant stärker und auch der Muttermund öffnete sich jetzt
ziemlich schnell. Iris untersuchte mich zwischenzeitlich ab und an und dann auch
am liebsten unter den Wehen, um zu sehen, wie der Muttermund sich unter den
Wehen verhält. Diese Wehen musste ich dann liegend verbringen und das war für
mich eine reine Qual – ne, Liegen kam für mich absolut nicht in Frage! Es
muss auch ganz schön komisch ausgesehen haben: Die Wehen habe ich an der
Wickelkommode hängend verbracht, dabei habe ich dann sogar immer zwei Finger
von Michael mit je einer Hand umklammert gehalten – irgendwie gab mir das eine
Stütze. In den Wehenpausen bin ich dann immer quer durch den Raum zum Bett gedüst,
in der Hoffnung, dass diese Pause etwas länger dauert und ich mich kurz liegend
erholen kann. Leider waren diese Pausen recht schnell sehr kurz und kaum lag ich
konnte ich schon wieder aufspringen und zurück zur Wickelkommode wetzen.
Michael und die Hebamme immer hinter mir her! ;-) Iris kontrollierte die Herztöne
zwischendurch mit einem mobilen CTG-Gerät, d.h. sie hielt immer nur kurz einen
Sensor an meinen Bauch und ich war somit örtlich ungebunden.
Irgendwann
traf dann auch die zweite Hebamme, Jytte, ein. Sie kam dann auf die Idee, den
großen Gebärhocker an die Wickelkommode zu schieben, so dass ich mich in den
Wehenpausen nur noch fallen lassen brauchte und schon saß. Dieser Gebärhocker
ähnelt einem Holzschlitten, man kann von der Höhe her recht gemütlich darauf
sitzen und hinter mir hatte noch wer Platz. Meist saß Jytte hinter mir und hat
mir den Rücken massiert. Denn das war in dem Moment das Schlimmste: Die Wehen
waren ja wirklich weg in den Wehenpausen – aber diese blöden Rückenschmerzen,
vom Köpfchen verursacht, blieben mir durchgehend erhalten.
Die
Wehen waren dann so stark, dass ich trotz sehr lauter „A“-Ausatmung (dem
sogenannten Wehensingen, bei mir eher ein Wehenschreien *ggg*) anfing zu
verkrampfen. Jytte half mir dann, indem sie mich bei den Wehen etwas in die Knie
runterzog und ich mich somit einfach mehr öffnete. Diese Übung kannte ich
schon vom Yoga, es ähnelte dem Hocken. Überhaupt haben mir die Übungen der
Yoga sehr geholfen, denn intuitiv habe ich mich so bewegt, wie dort wochenlang
geübt.
Auch
die Fruchtblase ärgerte mich: Sie wollte und wollte nicht platzen. Iris hatte
schon zu einem früheren Zeitpunkt versucht, sie einzureißen, da sie vermutete,
dass sie die Geburt hemmen würde. Aber dieser Versuch schlug fehl und so
wartete ich die ganze Zeit auf den Blasensprung, der sich aber einfach nicht
einstellen wollte.
Iris
wollte mich dann irgendwann mal wieder auf dem Bett untersuchen. Während der
Wehe bin ich ihr dann allerdings vom Bett gesprungen – so unangenehm war mir
das Liegen! Alle weiteren Untersuchungen wurden dann im Sitzen auf dem Gebärhocker
durchgeführt.
Als
der Muttermund so ca. 8 cm auf war hatte ich meine „Null Bock-Phase“, die
laut Hebammen jede Frau ungefähr zu diesem Zeitpunkt hat. Ich habe nur um 5
Minuten Wehenpause gebettelt und stöhnte bei jedem Wehenbeginn auf: „Nicht
schon wieder, ich sitze doch gerade erst!“
Mittlerweile
hatte ich absolut kein Zeitgefühl mehr und mir kam das Ganze wie Stunden vor.
Kurz darauf schickte mich Iris noch einmal zum Klo damit die Blase nicht so sehr
im Wege wäre. Blöderweise wurden dabei meine Wehen stärker und so richtig
lohnend war diese Aktion nicht. Kurz darauf war mein Muttermund bis auf einen
Kragen ganz offen. Den Pressdrang musste ich mit einer „Pffft-Atmung“ verdrängen.
Endlich platze auch meine Fruchtblase. Ich selber bekam es gar nicht so recht
mit. Ich hatte immer gedacht, ich würde dann mit nassen Socken in einer Pfütze
stehen – aber dem war nicht so. Ich merkte es eigentlich nur an den Reaktionen
der andern.
Als
der Muttermund ganz geöffnet war schlugen mir Iris und Jytte dann vor, für die
Presswehen auf eine am Boden liegende Matte zu gehen, da sie merkten, dass ich
durch das lange Stehen an der Wickelkommode schon etwas erschöpft war und sie
mir die Geburt erleichtern wollten. Sie stellten den Gebärhocker gegen eine
Wand, so dass ich mich davor hinknien konnte und mich mit den Armen darauf abstützen
konnte. So richtig klappte das aber nicht. Plötzlich war dieser Kragen am
Muttermund wieder da, so dass Iris mir bei der nächsten Wehe den Muttermund
etwas aufhielt, damit das Köpfchen dieses Hindernis überwinden konnte. Das war
zwar für mich höchst unangenehm, klappte aber.
Leider
wurden die Herztöne in dieser Position etwas schlechter und die Pressrichtung
konnte ich so auch nicht richtig orten. Also zog ich noch einmal um: Ich setzte
mich auf den Hocker und Michael sich dahinter. Iris und Jytte hockten uns zu Füssen.
Die Pressrichtung war für mich jetzt eindeutig und auch diese Haltung empfand
ich entspannter.
Die
Herztöne waren auch wieder besser, erholten sich aber in den Wehenpausen nicht
wieder richtig. Das sagte mir Iris aber nicht, sondern sie und Jytte feuerten
mich während der Presswehen nur unheimlich an. Da ich noch keine Geburt erlebt
hatte, war es für mich normal. Dann ging auch alles recht schnell: Kurz darauf
konnte ich schon das Köpfchen fühlen und es dauerte nicht lange, bis es heraus
war. Zwei Wehen später, um 20:41 Uhr, war Sven Sören ganz auf der Welt –
aber irgendetwas stimmte nicht!
Iris
und Jytte wurden ganz aufgeregt, sie sagten irgendetwas von „Geburtsschock“
und unser Baby bewegte sich auch kaum, hing wie ein nasser Sack in Iris Händen
und sagte auch nichts! Iris rieb ihn mit dem Handtuch kräftig ab und nach ein
paar Sekunden fing er zögernd an zu meckern und auch sich zu recken. Mir fiel
ein Stein vom Herzen, zumal auch die Hebammen ruhiger wurden und mich fragten,
ob ich ihn jetzt auf den Arm haben möchte. Klar wollte ich!
Kaum
hielt ich ihn in den Arm sollte ich mich auch hinlegen, damit die Blutung nicht
so stark wäre. Nun lag ich da mit meinem Baby auf dem Bauch, Michel hockte
neben mir und wir waren einfach nur glücklich. Die Nachgeburt bekam ich nur so
ganz nebenbei mit. Irgendwann fragte ich Michael, ob es jetzt wirklich ein Junge
wäre. Michael war auch etwas ratlos und fragte Iris, die daraufhin nur meinte,
dass sollten wir doch einfach selber nachsehen – sie wüsste es auch nicht! *ggg*
Ehe
Michael das Handtuch, in dem Sven Sören eingewickelt war, entworren hatte,
hatte ich dann schon meine Hand dorthin geschoben und es einfach ertastet. Es
war wirklich ein Junge, unser Gynäkologe hatte also tatsächlich Recht gehabt.
Nach
einiger Zeit schaute Iris bei mir nach, ob irgendetwas gerissen wäre, während
Michael mit Jytte den Kleinen ausgemessen, gewogen und angezogen hatte. Ich
hatte einen winzigen Dammriss, der des Nähens nicht wert war, aber auch die
Schamlippen waren etwas eingerissen. Blöderweise beidseitig und genau gegenüberliegend,
so dass Iris sich entschloss, diese Stellen zu nähen, damit meine Scheide da
nicht zuwuchs. Zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich dann auch, dass die Herztöne während
der Presswehen nicht ganz so toll gewesen waren und ich deswegen so angefeuert
worden war.
Bei
mir war auch alles so geschwollen, dass ich immer noch kein Urin lassen konnte
und Iris mir dann per Katheder die mittlerweile arg volle Blase leerte. Die
Harnröhre war einfach dicht.
Nach
3 Stunden konnten wir schon nach Hause fahren. Mein Kreislauf war super ok und
gegen 24 Uhr waren wir dann überglücklich und mit unserem Baby zuhause.