Kinder wollten wir schon immer haben, am liebsten vier Stück und wenn es nach Michael ginge sogar vier Mädels..... die können ihn dann so richtig um den Finger wickeln und für die Hausarbeit ist dann auch schon gesorgt ;-).
Nur das "Wann" war so ein Problem: Michael studiert noch und nach seinem Studium stehen erst noch 2 Jahre Referendariat ins Haus (als angehender Berufsschullehrer ist das nun mal so). Im Referendariat bekommt ein Lehrer noch kein volles Gehalt, obwohl sie genauso viel arbeiten wir ihre Kollegen, wenn nicht sogar mehr, da ihnen ja die Erfahrung fehlt.
Schon aus diesen finanziellen Gründen war an Kinder erst gar nicht zu denken, dazu der soziale Aspekt: Ein Mann der keine abgeschlossene Berufsausbildung hat möchte eine Familie gründen? Das geht doch nicht. Nun hatte aber ich sehr daran zu knabbern, man (frau) wird ja auch nicht jünger und mein größter Traum ist nun mal eine Familie, sich um alle kümmern können, so wie es seit jeher für Frauen bestimmt ist...
Bei meinem letzten Krankenhausaufenthalt im September ´98 wegen einer erneuten Zyste am Eierstock, die wieder einmal per Bauchspiegelung entfernt werden musste, hat es uns dann eiskalt erwischt: Mein Frauenarzt rief in der Klinik an, mein Hormonwert hat eine evtl. Schwangerschaft ausgewiesen!!! Deswegen wurde die OP um einen Tag verschoben, denn die Klinik wollte ja nun sicher gehen. Michael kam mich nach meinem Telefonanruf mit einem Grinsen von Ohr zu Ohr direkt besuchen, wir freuten uns wie die Könige. Dann aber die Nachricht: falscher Alarm! Das ich nun sehr deprimiert war versteht sich von selbst. Eine Ärztin nannte uns aber mehrere Möglichkeiten, wie die Finanzsituation gelöst werden könnte, wir sollten uns doch einfach mal informieren...
Das taten wir dann auch, und siehe da: So mittellos stehen junge Eltern gar nicht da, zumal es immer noch liebe Schwiegereltern gibt, die auch ihre Hilfe anboten (jedenfalls bei dieser evtl. Schwangerschaft). Da wir nun mal alles ganz genau nehmen haben wir noch unsere Erbanlagen prüfen lassen, damit wir möglichst kein behindertes Kind bekommen, alles ok. Noch ein Schwangerschaftsbuch gekauft und geschmökert, was das Zeug hielt. Da stand dann was von fruchtbaren Tagen und wie man sie berechnet. Also Papier und Stift zur Hand und gerechnet, einen genauen Zeitplan aufgestellt, beim Frauenarzt wegen des bevorstehenden Skiurlaubs erkundigt (Risiko!!!) ... und nichts passierte!!!
Wir haben also von Grund auf alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Sich von Anfang an so unter Druck zu setzen ist das Verkehrteste, was man in so einem Falle tun kann. Das man dann sämtlichen Bekannten und Verwandten von seinen Plänen nichts sagt, um diese blöde Frage "Na, hat´s schon geklappt" zu umgehen, war eine reine Farce.
Im März ´99 überprüfte dann mein Frauenarzt mal meine Hormonwerte und stellte fest, dass gar kein Eisprung vorliegt. Ob er jetzt sowieso nicht da ist, oder durch den ganzen Stress ausblieb, weiß niemand. Aber es gibt da ja Hormontabletten, die den Eisprung reguliere, Michael ließ sein Sperma untersuchen, alles in Ordnung, trotzdem passierte nichts, außer das ich jetzt wenigstens einen Eisprung hatte. Allerdings zerrte diese ewige Warterei an meinen Nerven. Das ich das mit meiner ´eh sehr labilen Psyche nicht mehr lange aushalte war mir klar. Anfang September gab mein Frauenarzt mir eine Adresse von einer Kinderwunschpraxis, Dr. Neuer und Dr. Dieterle, einer Frauenarztpraxis, die sich genau auf dieses Problem spezialisiert hat. Allerdings haben heutzutage sehr viele Paare dieselben Probleme (bisher sah man sich ja alleine damit) und somit ergab sich eine Wartezeit bis zum 26.11.99. Noch gaaanz lange hin.
Um diese Zeit zu überbrücken habe ich mir seelischen Beistand von einem Psychologen gesucht, der war auch bitter nötig. Ich hatte ja mittlerweile jedes Mal Scheinschwangerschaften: Um den Zeitpunkt der möglich Einnistung herum eine leichte Blutung (kann dann ja vorkommen) einige Tage später Übelkeit (zwar etwas früh, aber man weiß ja nie), starkes Ziehen in den Brüsten und so weiter und so fort. Als mir am 28. Tag auf dem Weg zur Arbeit total Übel wurde, bin ich postwendend erst einmal zu meinem Gynäkologen, eine Schwangerschaft sollte ausgeschlossen werden, bevor ich bei meiner Hausärztin wegen Magen-Darm-Grippe vorspreche. Leider wieder negativ. Also erst mal nach Hause, Michael wartete ja auch schon auf mich, bis dahin hatte ich eine völlige Gefühlskälte, aber zuhause brach eine wahre Sturzflut aus mir heraus. Ich konnte mich kaum beruhigen. Michael brachte mich erst mal zur Hausärztin, die mich vorerst aus dem Verkehr zog, Johanniskraut verschrieb und mir von ihren eigenen Problemen bezüglich Kinderwunsch berichtete. Wahnsinn, wer alles ähnliche Probleme hat!
Das einzig positive an diesem Tag war ein erneuter Anruf bei Dr. Neuer, ob nicht doch schon ein früherer Termin frei wäre. Und siehe da: Am 23.09.99 sollten wir vorbeikommen, direkt nächste Woche! Natürlich ging aufgrund meiner Verfassung alles schief an diesem Wochenende: Überall stieß ich mich, ich sah aus wie von Michael verprügelt, ich war kaum ansprechbar, und als ich Sonntag Nacht Michael noch beim Hochziehen meiner Bettdecke einen Kinnhaken verpasste bin ich ausgerastet: Da wir immer bei offenem Fenster schlafen war ich darauf und dran aus diesem zu springen. Da hat mich nur das Anschreien und Festhalten von Michael dran gehindert. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, heute weiß ich auch nicht, was für ein Teufel mich geritten hat, aber irgendwie bin ich wohl durchgedreht.
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